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Spechtsbrunn °C
  15.12.2017 Ferienhaus Ostsee
Dies ist eine sagenhafte Geschichte, geschrieben von Frau Margit Schiffner: Den "Blauen See" gibt es tatsächlich. Aber es führt kein Hinweisschild dort hin.
Mareile lebte in einem kleinen Dorf in der Nähe des Rennsteigs. Sie war ein fröhliches Kind - und sie war voller Herzensgüte. Ihre Eltern liebten sie sehr, war sie doch ein bisschen Licht, ein Sonnenstrahl in ihrem ärmlichen Dasein dort oben in der Bergeinsamkeit.
Der Vater ging in die nahe gelegenen Schieferbrüche arbeiten, und ein klein wenig Land gab´s für Korn und Kartoffeln. Die Mutter versah umsichtig Haus und Hof. Zwei Ziegen und ein Schwein halfen, daß es zum Nötigsten für´s Leben reichte. So gingen ein paar Jahre in´s Land und die Frau sah wieder Mutterfreuden entgegen. Die Zwillinge Liese und Lotte nahmen sie sehr in Anspruch, und als ein Jahr darauf Brüderchen Karl zur Welt kam, da waren ihre Kräfte aufgezehrt und sie wurde nimmer gesund. Nun musste die Erstgeborene die Mutterstelle vertreten und schuften und rackern von früh bis spät. Sie musste kochen, backen, waschen, das Vieh versorgen, die Kleidung instand halten - dem armen Mädchen blieb wenig Zeit, an sich zu denken. Auch die kleinen Geschwister halfen mit. Karlchen holte Äste und Pilze aus dem Wald. Liese und Lotte mussten die Ziegen hüten, damit das Heu über den Winter reichte. Jedoch die beiden Kleinen tollten unbekümmert umher, so dass sie gar nicht bemerkten, wie Heppel, die brave Braune, sich mehr und mehr von der Bergwiese unterhalb des Rennsteigs entfernte. Weinend liefen sie heim. Was sollte werden, wenn die Ziege verschwunden blieb? Alle machten sich auf zur Suche. Mareile lief durch Gebüsch und Gräben, den schmalen Pfad über die riesigen Schieferhalden und rief, bis sie urplötzlich auf einem Felsen stand, der jäh abfiel in einen kleinen See. Vorsichtig spähte sie hinab in die Tiefe. Wie heimelig es hier war. Blau schimmerte das Wasser, wie ein gütiges Mutterauge. Die schlanken Fichten standen hoch und feierlich gleich einem Dom. Sie spiegelten sich im Wasser und die Felswand daneben strahlte im Licht der Abendsonne, als wäre sie eine Burg mit Türmchen und Zinnen. Nach Norden zu lud ein saftiggrüner Moosteppich zum Verweilen ein. Mareile setzte sich und sah gebannt hinab. Ach, nur ein wenig ausruhen und neue Kräfte sammeln! War das Mareile etwa eingenickt? Mit einem Male sah sie auf den Zinnen der geheimnisvollen Burg einen Prinzen - strahlend schön - der ihr zuwinkte: Komm! Das Mädchen schrak empor und rannte zu Tale durch den dämmernden Wald, Schrecken und Freude zugleich in ihrem jungen Herzen. Hatte nicht die Großmutter schon von hilfreichen Feen und freundlichen Prinzen erzählt? Ganz in ihre Gedanken versunken, hätte sie beinahe den Vater mit der Braunen am Strick übersehen. Zeit vergeht, ob sie gut oder schlecht ist. Und obwohl es kaum Platz für Träume gab, hielt Marie doch das Geheimnis vom Blauen See als kostbaren Schatz fest in sich verschlossen. Mit der all zu frühen großen Sorge um ihre Familie ging auch des Mädchens Jugend, ehe sie noch recht erblühte. Frühzeitig beugten sich die Schultern nach vorn, als ob sie ständige Last trügen, und das einstmals hübsche und fröhliche Gesicht war verhärmt und grau. Als die Geschwister versorgt und aus dem Haus waren, da war es für Mareile zu spät, selber zu heiraten. Weil nun die Lies über´m Berg drüben ihr erstes Kind gebar, machte sich Mareile auf, ihrer Schwester im Kindbett beizustehen. Ihr Schwager aber war der Armen nicht gut gesonnen. "Schick sie weg, sie bringt uns noch die Schwindsucht in´s Haus!" Am nächsten Morgen, als noch alles schlief, schlich sich Mareile davon. Nein, niemand sollte ihre Tränen sehen! Der Wind pfiff droben auf dem Kammweg und die Kälte kroch durch das dünne Kleid und das wollene Umschlagtuch, das der Großmutter einst gehörte. Es hatte frisch geschneit und wären nicht die alt vertrauten Bäume gewesen, man hätte den Weg und Steg nicht finden können. Das Mareile musste sich über alle Maßen plagen, und die mageren, fahlen Wangen färbten sich rot dabei. Oder war es gar ein Fieber, dass sie erfasst hatte? Taumelnd stand sie unvermittelt am Rande des Sees. Da, wo im Sommer das weiche Moos einlud zum Hinabgehen an das blau schimmernde Wasser, lagen nun tausende Schneekristalle und blitzten in der Sonne. Kristall trug auch der See selbst an seinem Rande - durchschimmernd oder weiß, in mannigfaltigen Formen. Leicht kräuselten die Wellen das Schattenbild der hohen Bäume und der Felswand im See. Still war hier die Welt, und wie sie so schaute, wurde es friedvoll auch in ihrem Herzen. Sie beugte sich über das Wasser. Da sah sie eine lächelnde, schöne Frau und auf den Zinnen der Burg lächelte der Prinz ihr zu. Jetzt stieg er einem Nebel gleich aus dem Wasser und hüllte sie mit seinem weißen Mantel ein. Und sie hörte ein sanftes Raunen, wie Windspiel im Gezweig: "Du gutes Menschenkind, komm! Liebste, du warst so lange fort! Komm zu mir, du wirst es gut haben!" Als der Winter verging und Großmutters Tuch am See freigab, wurde es zur Gewissheit, dass die Marei nicht mehr zurückkehrt. Nun weinten alle und sagten: "Ach, sie hatte ja so gar nichts Schönes in ihrem Leben!" Woher auch - woher - sollten sie wissen, dass Mareile doch noch ihr Glück gefunden hatte?.
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