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Spechtsbrunn °C
  22.10.2017 Ferienhaus Ostsee
Es war für die deutschen Lande eine furchtbare Zeit, die Jahre in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Raubend und Plündernd zogen die Landsknechtshaufen durch das Land, überall Schrecken, Not und Elend verbreitend. Menschen wurden gequält, erschlagen, erstochen, erwürgt, Dörfer und Städte verwüstet, niedergebrannt. Niemand war sicher, man wusste nicht, wer Freund und wer Feind war.
Die Bewohner der Dörfer in den Waldtälern schützte der dichte Wald, der den herannahenden Landsknechtstruppen die Sicht nahm. Nur der Rauch der Herdfeuer, ein Hahnenschrei oder das Brüllen einer Kuh, das Klappern einer Mühle oder das Hämmern der Schmiede konnten zum Verräter werden. Und dann war es um das Dorf, Vieh und Menschen geschehen. Oft blieben nur Schutt und verkohlte Balken von dem übrig was Menschen in jahrzehntelanger harter Arbeit voller Entbehrungen geschaffen hatten, was ihnen ihr kärgliches Leben sicherte.
Noch heute künden Namen von Dörfern, die so zerstört wurden wie Albersdorf in der Nähe von Spechtsbrunn, nach dem heute noch ein Flurteil benannt ist.
Manche Bewohner schützten ihre Dörfer durch verschiedene Maßnahmen und bewahrten sie so vor Entdeckung und Zerstörung. So auch die Bewohner Hasenthals, von denen die Sage folgendes berichtet:

An einem heißen Sommertag der ersten Jahre des Dreißigjährigen Krieges liegt der Ort Hasenthal, geschützt vor der Sicht in der Gegend herumziehender Marodeure, fast menschenleer da. Jeder geht seiner Arbeit nach auf dem Felde, am Kohlenmeiler, im Haus, im Wald. Nur die Kinder spielen auf dem Hof, kichern manchmal leise, von den Eltern immer wieder zu solch vorsichtigem Verhalten angehalten.
Es geht seit Tagen das Gerede um, dass wieder umherziehende Landsknechte die Gegend unsicher machen. Was wird, wenn der Ort entdeckt, die Menschen misshandelt oder gar getötet, die Ställe, Scheunen und Wohnungen ein Raub der Flammen werden?
Angst befällt deshalb jeden, wenn ein ungewohntes Geräusch aus dem Wald zu hören ist. Sind das Landsknechte zu Pferde oder zu Fuß? Oder war es ein Tier, dass dieses Geräusch verursacht? Not macht ja erfinderisch, sagen die Leute auch heute noch.

So kommt auch der Schultheiß damals auf den Gedanken, die Hirten, die sonst auf den Waldwiesen das Vieh hüten, als Wächter einzusetzen. Das Vieh lässt man in den Ställen oder in unmittelbarer Hausnähe. Die Hirten aber halten auf den umliegenden Höhen in größerer Entfernung vom Ort Wache. So auch ein junger Bursche an dem Wege in Richtung Vorwerk, oben auf der Höhe. Drückende Schwüle und die Stille des Waldes machen den Burschen müde, und so sucht er sich den Schatten einer mächtigen Buche, deren Stamm zwei Paar Männerarme gerade noch umfassen können. Die Versuchung, sich an den Stamm zu setzen und den Rücken daran zu entspannen, ist halt doch zu groß, als ihr zu widerstehen. Den knorrigen Buchenast, der ihm als Stock und notfalls als Waffe dient, legt er griffbereit neben sich. Man kann ja nie wissen, welches wilde Getier sich nähert, schließlich gibt es in den Wäldern noch Wölfe und Luchse, die sich manchmal in die Nähe menschlicher Behausungen oder Herden wagen. Die Sonne hat ihren Höchststand erreicht, die Schwüle auch, kein Blättchen regt sich. Wen wundert es, wenn der junge Bursche am Stamm der Buche schließlich schläft?

Plötzlich ein lautes Knacken!
Erschrocken fährt der Bursche hoch und greift nach dem Ast. Der Schreck wird zum Entsetzen, als er von der Waldsenke her zwischen den Bäumen einen Landsknecht sich nähern sieht, der offensichtlich als vorausgeschickter Späher die Gegend erkunden und bei Entdeckung eines Dorfes durch Trompetensignal seine Kumpane informieren soll.
Was nun?
Gewarnt werden können die Bewohner nicht mehr, um die Feuer zu löschen, das Vieh in die entlegenen Waldtäler zu treiben und sich selbst in Sicherheit zu bringen. Den Burschen durchzuckt es blitzartig: Das Dorf, wir alle sind verloren!
Der Späher darf Hasenthal nicht verraten! So versteckt er sich hinter dem mächtigen Baumstamm, den buchenen Ast mit beiden Händen fassend, lässt den Landsknecht mit seiner Trompete vorbei und schlägt ihm von hinten mit ganzer Kraft den knorrigen Ast über den Kopf. Tödlich getroffen sinkt der Späher zu Boden, der Bursche aber rennt so schnell er kann den schmalen Steg durch den Wald hinab ins Dorf, alarmiert die Bewohner und rettet so Menschen, Vieh und Dorf. Erst gegen Abend verscharrt man den Erschlagenen an Ort und Stelle.
Einhundert oder mehr Jahre später erteilt der Herzog die Erlaubnis zum Holzeinschlag und zur Rodung des Gebietes auf der Höhe für die Gewinnung neuer Weideflächen. Dabei, so erzählt die Sage, stößt man auf ein menschliches Gerippe mit einer alten Trompete. Seither heißt dieser Flurteil auf der Höhe „Trompeter“.

(Rudolf Dinter).
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