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unter Nutzung von Wolfgang Wiegand: „Vor 250 Jahren wurde die Spechtsbrunner Kirche erbaut“ (Jahrbuch des Landkreises Sonneberg von 1996) und Skripte des Evang.-Luth. Pfarramtes Spechtsbrunn


Bereits vor der Reformation gab es in Spechtsbrunn am Rennsteig eine Kirche. Im Großen Atlas des Kartographen Paul Pfinzig aus dem Jahre 1595 finden wir eine bildliche Darstellung dieses Kirchleins. Von ihr gibt es keinerlei Sachzeugen mehr. Aus der alten Kirche hat nur ein einziges Stück die Zeit in unser Jahrhundert überdauert, eine Bronzeglocke mit etwa 50 cm Durchmesser aus der Zeit um 1480. Als die Hasenthaler 1847 ihr erstes Schulhaus errichteten, erhielten sie von der Spechtsbrunner Kirchengemeinde diese aus vorreformatorischer Zeit stammende Glocke als Geschenk. 1886 kam sie in das zweite neu errichtete Schulgebäude. Als dieses im März 1910 abbrannte, ist die alte und sehr wertvolle Glocke für immer verloren gegangen. Sie trug die Inschrift: „maria berat . got hylf . iohannse . marcvs – lucas . mattevs.“

Die jetzige Kirche wurde im Jahre 1746 erbaut. Vorsorglich hatte der damalige Superintendent Benjamin Lindner in Saalfeld ein Schreiben an den Pfarrer zu Spechtsbrunn gerichtet und angeordnet, dass die alte Kirche stehen bleiben soll, bis ein neues Gotteshaus errichtet sei.

Die Opferfreudigkeit der Gemeinde war schon damals groß. Sie trug den Hauptanteil der Baukosten. Die Namen der Spender sind noch in einem Verzeichnis des alten Kirchenbuches erhalten. Um alle notwendigen Mittel für den Neubau zusammen zu bekommen, hatte die Kirchengemeinde „mit Hochfürstlicher Erlaubnis“ auch noch einen Kollektensammler ausgeschickt, namens Caspar Thom aus Geschwenda. Er reiste in viele Gegenden Deutschlands und brachte immerhin den Betrag von 142 Talern, 2 Groschen und 6 Pfennigen zusammen, fast genau den zehnten Teil der anfallenden Kosten. Insgesamt wurden 1466 Taler, 7 Groschen und 3 ½ Pfennig gespendet. Dieses Geld reichte aus, um den Kirchenneubau zu erstellen. Die Gesamtausgaben für den Kirchenbau machten 1423 Taler, 21 Groschen und 2 ½ Pfennig aus. Baumeister Krausse aus Kahla lieferte die Zeichnungen für das neue Gotteshaus mit einem Grundriss von 18,5 m Länge und 9,5 m Breite.

In einem feierlichen Gottesdienst wurde am 25. Mai 1746 der Grundstein zum Kirchenbau durch Pfarrer Friedrich Wilhelm Schön „... mit Klang, Gesang und Gebet“ gelegt. Durch den Fleiß des Zimmermannmeisters Johann Jakob Keim aus Probstzella und seiner Gesellen waren bereits am 26. August 1746 das Holzwerk, das Dach und der Turm der Kirche im Rohbau fertig gestellt worden. Den feierlichen Abschluss fand der Kirchbau am 8.Juni 1747, als Schieferdeckermeister Johann Georg Giessler aus Saalfeld den Turmknopf aufsetzte.

Die erste Orgel lieferte 1750 der Orgelmacher Wolff Heinrich Daun aus Neustadt an der Heide (heute: Neustadt bei Coburg). Die jetzige Orgel der Kirche stammt aus dem Jahre 1911. Sie ist ein Geschenk des kunstverständigen Herzogs Georg II. von Sachsen-Meiningen. Sie wurde als Anerkennung für die ansprechende Innenausstattung der Kirchengemeinde übergeben. Die Orgel wurde von der Firma Sauer in Frankfurt an der Oder gebaut und besitzt ein sehr wertvolles Werk. Ebenfalls 1750 erhielt die Kirche einen bemalten, aus Holz geschnitzten Taufengel, der auf den ausgestreckten Händen ein Brett für die Taufschale und auf dem Kopf das Lesepult trägt. Der Kanzelbau mit seinen korinthischen Säulen wurde 1779 durch Johann Michael Eichhorn aus Hasenthal bemalt. 1790 erfolgte eine prachtvolle Ausgestaltung der Kirche durch den Maler Georg Paul Amberg aus Gera, mit einem reichen Farbenschmuck. Gut gelungen ist auch die Anbringung der vollständigen Inschrift des 23. Psalms an beiden Emporen.

Ein Vierteljahrtausend hat die Kirche den Unbilden der Witterung auf der Höhe des Rennsteiges getrutzt. Sie erfuhr durch die Jahrzehnte hindurch mancherlei Renovierungen und Veränderungen. In der nüchternen Zeit des 19. Jahrhunderts wurden ihre alten aber herrlichen Farben einfach übertüncht. Die bedeutendste Erneuerung war die „Generalrenovation“ der Kirche im Jahre 1911. Es war den Bemühungen des Pfarrers Curt Creuzenburg zu danken, dass die Kirche durch die kunstverständige Hand des Architekten Dr.-Ing. Curt Steinberg aus Berlin – Steglitz erneuert werden konnte. Die Generalerneuerung begann im Juni 1911 und fand am 29. Oktober desselben Jahres im Beisein des Prinzen Ernst von Sachsen –Meiningen ihre feierliche Vollendung. Herzog Georg II. von Sachsen – Meiningen nannte die Spechtsbrunner Kirche fortan „die schönste Dorfkirche seines Sachsen-Meiningen Landes“. In jener Zeit gab es noch einen zweiten Dorfteich, den „Kirchteich“. In seinem Wasser spiegelte sich die Silhouette der Spechtsbrunnner Kirche.

Unsere Dorfkirche liegt nur 300 m unterhalb des sagenumwobenen Rennsteigs. Als vor 100 Jahren, am 24. Mai 1896, im Waldhaus „Waidmannsheil“ bei Steinbach der Rennsteigverein gegründet wurde, zog dieser Bergpfad immer mehr Wanderfreunde in seinen Zauberbann. Bis zur Teilung Deutschlands besuchten zahlreiche Rennsteigwanderer auf ihrer „Runst“ von der Werra bis zur Saale unser schmuckes Kirchlein. Es wurde ihnen stets gerne gezeigt. Die Wanderer bewundern die prachtvollen Malereien, den Altar und die heute noch erhaltenen Stände der Ernsthaler und der Hasenthaler Oberförster. Sie sind wahre Schmuckstücke an Schnitzkunst und Malerei.

Nach der Wiederherstellung der Einheit Deutschlands wurde mit umfangreichen Restaurierungsarbeiten an der denkmalgeschützten Kirche begonnen. Am Sonnabend, dem 12. August 1995, konnte der erste Bauabschnitt bei der Renovierung der Spechtsbrunner Kirche abgeschlossen werden. Nach Abschluss der Zimmererarbeiten wurde der Kirchturm neu mit Thüringer Schiefer gedeckt. Turmuhrmachermeister Matthias Knipping aus Kaltennordheim lieferte die restaurierten und vergoldeten Kugeln, Kreuze und die Wetterfahne. In einem festlichen Gottesdienst mit dem in Pfarrvakanz hier tätigen Pfarrvikars H.J. Lange(Schmiedefeld) wurde das Aufsetzen des Turmknopfes gefeiert. Im Jahre 1997 fand die Sanierung des Innenraumes nun unter der Verantwortung des gewählten Ortspfarrers Ullrich Krause ihre Fortsetzung. Der Schwamm hatte sich eingenistet. Das hätte bei der umfangreichen Holzkonstruktion der Emporen und der Innenverkleidung fast das Aus für die Kirche bedeutet. Dann kam es zum Stillstand der Restaurierungsarbeiten. Als im Juni 2000 die Arbeiten wieder aufgenommen wurden, waren keine finanziellen Mittel mehr vorhanden. Dank einer privaten Stiftung und vielen Spendern aus nah und fern konnte dennoch der Kirchenbau weitergeführt werden. Die Statik wurde durch Einbau eines Ringankers und durch Einbetonierung desselbigen verbessert. Auch nachdem Pfarrer Krause nach Greiz übersiedelte und Pfarrer Gerhard Zimmermann seinen Dienst in Spechtsbrunn antrat, wurde die Kirchensanierung weitergeführt. Inzwischen wurden 2003 und 2004 neue Fenster eingebaut, wurden die Kirchenbänke nebst Fußbodenbelägen erneuert und die Emporenböden erneuert. Dank bewährter Mithilfe des Spechtbrunner Kirchenbaukreises um Joachim Hartung, Claus Döge, Günter Schmidt, Herbert Unger, Bürgermeister Wolfgang Wiegand und vieler anderer treuen Helfer konnten zahlreiche Arbeiten selber getan und notwendige Handwerkerleistungen entgegen aller Skepsis doch bezahlt werden. Auch die Elektrik wurde heutigem Standard angepasst. In 2005 und 2006 wurde die Glockenanlage erneuert und ein neues Läutewerk eingebaut. Vor allem gelang es, die Kirchraumdecke und die obere Kirchenemporenreihe fachgerecht zu restaurieren. Sehr hilfreich war uns der engagierte Einsatz der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Bonn, des Landkreises Sonneberg und der politischen Gemeinde Oberland am Rennsteig dazu auch der Thüringer Denkmalpflegebehörde. Die Restauratorin Frau Dana Weinberg aus Meuselbach und die Eisenberger Malerfirma Volkland haben uns sehr geholfen. Noch in 2007 und im Frühsommer 2008 konnte die untere Emporenreihe nebst dem Orgelprospekt fachgerecht erneuert werden. 2008 konnte leider nicht, wie geplant die mühsame Schwammsanierung abgeschlossen werden. Doch in 2009 hoffen wir, auch die nicht restaurierte Südwand unserer lieben Kirche erneuern zu können. Am 21.September 2008 feierten wir die Kirchweihe und Namensgebung unserer Matthäuskirche Spechtsbrunn gemeinsam mit vielen Sponsoren und Freunden unserer Kirche. Mit großer Dankbarkeit durften wir, auf nunmehr gut 17 Jahre dauernder oft vergeblich scheinender Arbeit zurück blicken. Es predigte Herr Altbischof Roland Hoffmann. Er sprach von der Macht der Farben unsere Kirche und bat, Gottes Reichtum in Glaube, Hoffnung und Liebe zu ergreifen und zu leben. Möge unsere Gemeinde in absehbarer Zeit, in einer würdig erneuerten Kirche, das Lob unseres so herrlich helfenden Gottes ausrichten.

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