Seit alter Zeit führte eine Verkehrsstraße von Nürnberg nach Leipzig. Sie hat einst die Straßendörfer ins Leben gerufen und ihnen in friedlichen Zeiten Wohlstand in den Kriegen aber immer wieder den Niedergang gebracht. Dabei führte sie über Erlangen, Forchheim, Bamberg, Gleußen, Coburg, Neustadt, Judenbach, Sattelpaß und „Kalte Küche“, Gräfenthal, Großneundorf, Saalfeld, Jena, Leislau, Naumburg und Weißenfels.

Das Geleit auf dem Abschnitt Gleußen – Sattelpaß besorgte ein Coburger Geleitsmann für das Geleit auf der Strecke Sattelpaß – Leislau waren die Saalfelder zuständig. Während die alte Straße in den Ebenen zumeist dem Flußlauf folgte begann zwischen Köppelsdorf und Judenbach der beschwerlichste und wohl auch gefährlichste Abschnitt. Ungefähr 300 Höhenmeter mussten überwunden werden, bis der Gebirgskamm erreicht war, anschließend ging es auf steilen Wegen wieder bergab nach Gräfenthal.
Von Hoheneiche verlief der Weg über Eyba, wo seit dem 15. Jahrhundert das Geschlecht derer von Könitz ansässig war. Dort ist auch heute noch auf einer Felsenplatte der einstmaligen Straßensohle eine von den Karren und Wagen der Vorzeit tief eingegrabene Doppel – Geleisespur zu sehen. Während die ursprüngliche Straße durch das untere Saaletal über Weißenfels nach Leipzig führte, wurde schon zu Luthers Zeit der Weg über Pößneck – Neustadt (die Eichschenke und das Dorfwirtshaus zu Dreitsch als beliebte Übernachtungsmöglichkeiten) weiter nach Gera- Altenburg- Borna – Pegau nach Leipzig genommen.

Das Bestehen der alten Heer- und Handelsstraße reicht bis in das Altertum zurück. Bereits in den Zeiten der Völkerwanderungen sollen ganze germanische Stämme aus dem Norden und Osten auf ihrer Wanderung in südlichere Gefilde über Saalfeld und das Gebirge gekommen sein. Als im Jahre 874 Saalfeld zur Reichspfalz (villa regia) erhoben wurde, war ein reges Kommen und Gehen auf der alten Heerstraße zu den verschiedensten Anlässen zu erleben. Es kamen im Jahre 876 Karl der Dicke, Ludwig und Karlmann zur Teilung der Länder ihres Vaters über die alte Straße nach Saalfeld. Im Jahre 939 schloss Herzog Heinrich von Thüringen mit mehreren deutschen Grafen und Fürsten in Saalfeld ein Bündnis gegen seinen Bruder, den Kaiser Otto den Großen. Der Herzog Ludolf von Schwaben schloss hier im Jahre 952 mit dem Erzbischof von Mainz und einer großen Anzahl fürstlicher und gräflicher Personen ein Bündnis gegen seinen Vater, Kaiser Otto. Im Jahre 954 hielt Kaiser Otto ein glänzendes Hoflager in Saalfeld ab. Auf dem Reichstag im Jahre 1192 erschien Kaiser Heinrich VI. mit fünf geistlichen und sieben weltlichen Fürsten, um Streitigkeiten mit dem sächsischen Herzog - Heinrich dem Löwen - beizulegen.

Die Verbindung Nürnberg – Leipzig war als Heerstraße um 800 bereits existent, denn wie 1162 urkundlich erwähnt, ließ der Schweinfurter Gaugraf Hezilos erst seinen Kronacher Besitz in Asche legen, dann wurde die „Pruggen“ (Knüppeldamm) zwischen Neustadt und Höhnbach auf dem Rückzug nach Norden durch Feuer zerstört. Der heute noch gebräuchliche Name „Gebrannte brücke“ geht auf dieses Ereignis zurück.
Das erstmals 1337 urkundlich erwähnte Gräfenthal war eine dynastische Gründung der Grafen von Orlamünde. Bedeutsam für die Ansiedlung und spätere Stadt Gräfenthal war die alte Fernhandelsstraße zwischen Leipzig und Nürnberg. Für das Fuhrmannswesen besonders wichtig war die Gründung einer Saigerhütte im Jahre 1462, was dazu führte, daß Gräfenthal auch technologisch an die Kupferstraße angeschlossen war. Sie führte von Eisleben nach Rudolstadt, über Saalfeld nach Gräfenthal und weiter nach Coburg und Nürnberg. Im Jahre 1452 wurde der Inhaber der Coburger Pflege Apel Vizihum unter Mithilfe der Erfurter und unter blutigen Kämpfen aus Sonneberg, Neustadt und der Veste Coburg vertrieben.

Auf seinem Weg zum Konvent der Augustiner in Heidelberg reiste Dr. Martin Luther über den Thüringerwald. Dabei traf er sich am 14. April im Dorfwirtshaus zu Judenbach mit dem kursächsischen Geheimrat Pfeffinger, der dann auch für ihn und seine Reisebegleiter die Zeche zahlte. Weil sich für Luther auf der Weiterreise über den Wald keine Fahrgelegenheit bot, kam er am 15. April sehr ermüdet in Coburg an. Im Herbst des gleichen Jahres reiste Luther in Begleitung eines Ordensbruders zur Unterredung mit dem Kardinal Kajetan nach Augsburg, ebenfalls die Sattelpassstrasse nutzend. In Weimar predigte er am Michaelistage vor seinem Landesfürsten, dem Kurfürsten Friedrich dem Weisen. In Nürnberg kehrte er im Augustinerkloster ein, wo er sich von seinem Freund, dem Augustinerprediger Wenzeslaus Link, früherem Professor in Wittenberg, eine bessere Kutte borgte. Nach stattgefundener Disputation in Augsburg, welche die Wirkung hatte, dass der Kardinal erklärt haben soll: „Ich will nicht weiter mit dieser Bestie disputieren, sie hat tiefe Augen und wunderbare Spekulationen im Kopfe“ – wurde Luther durch seine Freunde, die um sein Leben fürchteten, durch ein geheimes Pförtchen ins Freie gebracht, wo ein Pferd seiner wartete, auf dem er in der Mönchskutte, ohne Hosen, Stiefel und Sporen, den ersten Tag acht Meilen weit ritt, so dass er beim Absteigen vor Müdigkeit nicht stehen konnte und stracks auf die Streu fiel. Am 31. Oktober traf Luther wohlbehalten in Wittenberg wieder ein.

Im Jahre 1526 schlossen der Markgraf Casimir von Brandenburg und der Landgraf Philipp von Hessen, die der Luther`schen Lehre zugetan waren, ein Bündnis, „sich in allen, was die Ehre Gottes belangt, als christliche Fürsten zu erzeigen und zu dem, was dem göttlichen Wort und dem heiligen Evangelio gemäß ist, förderlich sein zu wollen.

Der Bauernaufstand im Itzgrund im Jahre 1525 mobilisierte in Wittenberg die Mannschaften des „Harnisch“, die Veste Coburg zu verteidigen. Über die Handelsstraße war die Nachricht von den Unruhen in Süddeutschland rasch verbreitet worden. Zum letzten Male ist dann Luther im Jahre 1530 die alte Völkerstraße über Saalfeld und Judenbach gezogen, als Begleiter des zum Reichstag nach Augsburg reisenden Kurfürsten Johann des Beständigen. Bekanntlich ließen am 25. Juni auf dem Reichstage zu Augsburg Kurfürst Johann, der Kurprinz Johann Friedrich, der Landgraf Philipp von Hessen, 70 adelige Sachsen, Herzog Ernst von Lüneburg, Fürst Wolfgang von Anhalt, die Grafen Albrecht und Jobst von Mansfeld, Melanchthon, Jonas, Spalatin, Agrikola und andere ihre von Philipp Melanchthon verfasste, von Luther durchgesehene und gutgeheißene Bekenntnisschrift – nachmals die Augsburgische Konfession benannt – vor Kaiser Karl V. durch den kursächsischen Kanzler Dr. Baier verlesen. Luther als Geächteter durfte nicht mit nach Augsburg kommen, sondern musste zu seiner Sicherheit auf der Veste Coburg verbleiben. Sobald der Reichstag geschlossen war verließ Kurfürst Johann Augsburg. Am 4. Oktober war er in Begleitung seiner Theologen in Coburg. Schon am folgenden Tage kehrte Luther mit ihnen über Altenburg nach Torgau und dann nach Wittenberg zurück.

In Schmalkalden wurde im März 1531 von neun protestantischen Fürsten und Grafen, sowie elf Reichsstätten auf sechs Jahre zu Schutz und Trutz ein Bund vereinbart, der bereits im Jahre 1535 auf 10 Jahre erneuert worden ist. Der Kaiser verhängte über die Häupter des Bundes Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen und Landgraf Philipp von Hessen die Reichsacht. 1547 nahm das kaiserliche Heer unter Herzog Alba den Johann Friedrich gefangen. Erst 1552 kam dieser wieder frei. Die spanischen Truppen des Herzog Alba aber ziehen die Heeresstraße nach Süden zurück und plündern das Schloß Sonneberg und die Straßendörfer aus.

Über die Scharen des Herzog Heinrich von Braunschweig, die im Jahre 1553 über den Wald kamen, wird berichtet, dass alles Vieh, das nicht rechtzeitig in den Wald getrieben wurde, geraubt und dazu sämtliches Hab und Gut der Bauern geplündert wurde. Im Jahre 1555 rät die sächsische Regierung den Nürnberger Kaufleuten sogar ab, die Messe in Leipzig zu besuchen.

Johann Friedrich der Mittlere unternahm in den Jahren 1564/65 Kriegszüge gegen das Kloster Banz, wobei er sich der Mithilfe der Coburger Bürger bediente. 1581 ließ der Vollstrecker der Reichsacht Johann Friedrich den Mittleren, Kurfürst von Sachsen, 69 Stück grobes Geschütz und 448 Pechkränze von der Veste Coburg nach Dresden bringen.

Während des 30-jährigen Krieges von 1618 bis 1648 wurde die alte Verkehrsstraße im wahrsten Sinne des Wortes zur Heeresstraße.

Von Caspar Sagittarius, Rektor des Saalfelder Lyzeums, sind umfassende Ausführungen überliefert:

1619
200 Soldaten ziehen durch Saalfeld, im August kommen weitere Reiter und viel Fußvolk, das Weimarische Kriegsvolk zieht im Oktober nach Lehesten

1620
800 Soldaten aus Königsberg in Franken ziehen nach Gräfenthal

1621
Im September kommen 100 Reiter von Rittmeister Freitag vor Saalfeld an und begehren Quartier. Vor dem hatte man Befehl erhalten in einem solchen Falle die Tore zu schließen und niemanden außer einigen Befehlshabern hineinzulassen. Die anderen sollten durch ein Pförtlein im Tor Bier und Brot gegen Zahlung erhalten. Weiterhin sollten die Tore mit Musquetieren und die Wachen in der Stadt verstärkt werden.

1622
Im Januar zieht Herzog Wilhelm von Weimar über Rudolstadt und den Sattelpaß mit 1000 Reitern und 5000 Fußsoldaten zum Markgrafen von Baden und eine Fahne (militärische Einheit) Fußvolk wird in Saalfeld einquartiert. Der Rat klagt wegen Überhandnahme der Räuberei bei der fürstlichen Herrschaft.

1623
Wiederum erhält Saalfeld für fünf Monate Einquartierung von 700 Personen.

1625
Im August und im September ziehen kaiserliche Truppen durch Saalfeld. Die Stadt muß 400 Mann aufnehmen und sie verköstigen. Es werden 200 Reichstaler gezahlt und Vorspann gegeben. Auf die umliegenden Dörfer werden 600 Reiter und etliche hundert Croaten gelegt.

1626
12 Reiterkompanien ziehen durch und übernachten teils in Saalfeld, teils in Gräfenthal.
Im Juni ziehen 1200 Soldaten unter dem kaiserlichen Obristen Johann Philipp Hausmann nach Saalfeld und schießen auf Befehl des Obristen in die Bürger. Es werden fünf Tote beklagt. Den 11. Sonntag nach Trinnitatis werden 500 Soldaten in der Stadt und eben so viele Croaten in den umliegenden Dörfern einquartiert.

1627
Obrist Schönberg zieht von Coburg nach Saalfeld zum Lager Tillys und quartiert sich am 31. Mai zu Gräfenthal mit 2000 Pferden ein. Ihm folgt Obrist Cronenberg mit 13 Reiterkompanien und 1600 Pferden. „...den Bauern wurden Kisten und Kasten aufgehauen und zu Garnsdorf 2 Häuser abgebrannt.“

1628
Auch in diesem Jahr ziehen unzählige Kompanien durch und nehmen zeitweise Quartier. So kommen Merodische Reiter, Schlickische Reiter, der Obrist Couverello, der Obrist Trasky und Verdugo

1629
Im Mai erscheinen wieder Merodische Reiter auf ihrem Marsch von Coburg nach Saalfeld. Vertugo zieht mit seinen Truppen von Lichtenfels über Sonnefeld und Oberlind nach Saalfeld. 9 Kompanien Altringische Reiter des General Piccolomini mit 2000 Pferden quartieren sich in den Dörfern um Saalfeld ein und berauben die Bauern.



1630
10 Kompanien kaiserliches Fußvolk kommen über den Sattel und marschieren in Richtung Coburg und Gleußen/ Itzgrund.

1631
Am 31. Sonntag nach Trinnitatis kommen wieder kaiserliche Truppen des Generalwachtmeisters Altringer (1200 Mann stark) nach Saalfeld und belagern vier Tage lang die Stadt. Im November kommen 2 Regimenter schwedischen Fußvolkes. Der Schwedenkönig Gustav Adolf war zur Unterstützung der Protestanten am 24. Juni 1630 auf der Insel Rügen gelandet, hatte im Sept. 1631 in einer großen Schlacht bei Leipzig die Kaiserlichen unter Tilly besiegt und war dann durch Thüringen und Franken an den Rhein und nach Süddeutschland gezogen.

1632
Im Juli ziehen 6000 Mann unter Herzog Wilhelm zu Sachsen- Weimar über Saalfeld, den Sattel in Richtung Neustadt nach Nürnberg, dem Schwedenkönig entgegen. Im September kommen 40000 Mann unter Wallenstein und Maximilian von Bayern bis vor Coburg, Wallenstein zieht weiter nach Kronach, Maximilian nach Bamberg, das Holksche Korp zieht über den Pass nach Leipzig.

1633
Herzog Wilhelm zu Sachsen-Weimar kommt mit 8000 Mann nach Saalfeld zum Treffen der Stände des obersächsischen Kreises. General Lampois Regiment plündert Neustadt an der Orla und Saalfeld.

1634
Herzog Bernhart zu Sachsen-Weimar zieht mit sieben Regimentern über den Paß nach Saalfeld. Die Truppen Lampois und Piccolominis werden in der gesamten Coburger Pflege einquartiert. Alle Thüringer Pässe sind von den Schweden besetzt.

1635
Hans Hartmann von Erffa, sächsischer Festungskommandant, zieht mit seinen Truppen von Saalfeld nach Coburg. Im Juni hält man ein Dankfest ab, wegen des zwischen dem Kaiser und dem Kurfürsten zu Sachsen geschlossenen Prager Friedens. Die Regimenter Gallas, Broy und Belly gehen im nördlichen Teil des Fürstentums Coburg in die Winterquartiere.

1636
Es ziehen wiederum viele Kompanien durch Saalfeld, auch eine Generalmajorin Bitztum. Im November plündern wieder schwedische Truppen die Stadt.

1637
Die Schweden kommen wieder und zerstören die Saalebrücke.

1639
Schwedische und kaiserliche Truppen machen der Stadt schwer zu schaffen.

Um recht zu ermessen, wie viel Not, Drangsal und Elend für die damaligen Bewohner der Dörfer und Städte an und neben der alten Heerstraße diese Berichte einschließen, muss man sich dazu noch vergegenwärtigen, dass in jenen Jahren die Preise der Lebensmittel sehr hoch standen. Waren so die Kriegsjahre 1619 bis 39 im wahrsten Sinne Jahre des Schreckens und Elends so fing die größte Not doch erst im Jahre 1640 an, als auf der alten Heerstraße zwei feindliche Armeen in der Stärke von je 40 bis 50 000 Mann, der Tross ungerechnet, angewälzt kamen, um sieben lange, schwere Jahre als Gottesgeißel auf der Gegend zu ruhen.

Im April des Jahres 1640 langten die Kaiserlichen Truppen, die 40 000 bis 50 000 Mann stark waren, vor Saalfeld an und standen dem schwedischen Generalfeldmarschall, der berüchtigt war sämtliche Saalebrücken zu zerstören, mit 38 000 Mann, um dem Feind den Übergang auf das linke Saaleufer zu erschweren, direkt gegenüber. Es wird von Sachkennern als zutreffend angenommen, dass im 30jährigen Kriege jedem deutschen Regimente von 3000 Soldaten ein Tross von mindestens 4000 Weibern und Kindern nebst 300 Wagen zugehörig war und dass im Heere der Schweden sich mit den Jahren ein ähnliches Verhältnis herausgebildet hatte. Hiernach muss damals in und um Saalfeld ein an die 200 000 Personen zählender Menschenknäuel sieben Wochen lang zusammengeballt gelegen haben. Im Verlaufe der Kriegsereignisse wurden sämtliche Äcker, Gärten, Obstanlagen, Gräben, Quellen, Wassergräben usw. in und um die Stadt zerstört, das Wasser der Saale mit Aas und Leichen verunreinigt, Häuser, Scheunen, Kirchen demoliert oder ganz zerstört. Wie mögen Stadt und Land aufgeatmet haben, als die Heeresmassen sich endlich zum Abzuge anschickten. Zuerst brach General Baner auf; ihn litt es nicht länger bei Saalfeld, nachdem ihm am 27. Mai auf dem roten Berge- an einer nachmals als Baueracker bezeichnete Stelle- seine bei den Soldaten als Mutter des Heeres in großem Ansehen gewesene Gemahlin gestorben war, welches Ereignis im Heere allgemein als üble Vorbedeutung Auslegung gefunden hatte. Über Ranis und Neustadt saaleabwärts nach Jena zu nahm das schwedische Heer seinen Weg. Die Kaiserlichen folgten am 7. Juni, sie zogen über Reichmannsdorf und Schmalenbuche nach Franken ab.

Wohl hatten nunmehr die Kriegsdrangsale des Jahres 1640 für Saalfeld und Dorfschaften in der Umgebung ihr Ende erreicht, nicht aber die Nöte des 30jährigen Krieges überhaupt. Denn Jahr um Jahr wälzte die alte Völker- und Heerstraße noch Unmassen von Kriegshorden von Norden und Süden her durch die Stadt und dies dauerte selbst dann noch an, als durch den westfälischen Friedensschluss am 24. Oktober 1648 dem Kriege ein Ende gesetzt worden war. Erst am 18., 19. und 20. August des Jahres 1650 konnte man in Saalfeld das Friedensfest begehen.

Dass Handel und Wandel allmählich nach dem Dreißigjährigen Krieg wieder aufblühten und in Schwung kamen, beweist eine kurze Beschreibung der Stadt Gräfenthal aus dem Jahre 1729 aus einer gedruckten Thüringischen Chronik: „Gräfenthal. Diese Stadt ist wegen der Glashütten, deren in dieser Gegend des Thüringer Waldes etliche zu finden, bekannt, und mit hohen Bergen umgeben; Sie liegt oberhalb Leutenberg, eine Meile von Saalfeld.“ Der niedrige Ertrag der Landwirtschaft in feudaler Zeit vermochte es nicht, dass die Fuhrwerksbesitzer und ihre Familien alleine von ihrer Landwirtschaft leben konnten und deshalb mussten sie ihren Lebensunterhalt mit Fuhrmannsdiensten bestreiten . So wurde das Landfuhrwesen in spätfeudaler Zeit zum Haupterwerb und die Landwirtschaft in Nebenerwerbstätigkeit betrieben . Die im Thüringer Wald ansässigen Manufakturen, die notwendigen Rohstoffe und die erzeugten Fertigwaren, der Transport von Nahrungsmitteln und anderen Gütern sowie der Fernhandel bedurften des Transportes mit der Achse und wirkten sich fördernd und zugleich mit Notwendigkeit auf das Fuhrmannswesen aus.

Über 100 Jahre gingen auf der alten Heeresstraße „nur“ die Handelsleute ihrem Beruf nach, aber schon kurz nach Beginn des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) kommt Prinz Joseph von Sachsen-Hildburghausen mit seinem 14 000 Mann starken Regiment auf dem Rückzug in Richtung Süden auf unsere Straße. Zwei große Gefechte bei Saalfeld sind überliefert. Wenn nun auch die im siebenjährigen Kriege der Bevölkerung in und um Saalfeld auferlegten Bedräng- und Erschwernisse bei weitem nicht an die Leiden des 30jährigen Krieges hinanreichten, so müssen dieselben doch immerhin drückend genug gewesen sein. Beweis hierfür ist der Umstand, dass nach erfolgten Friedensschluss – am 15. Februar 1763 war zu Hubertsburg der Friedensvertrag unterzeichnet worden – das Friedensfest in Saalfeld und den umliegenden Dörfern unter lebhaftester Anteilnahme der Bevölkerung in feierlicher Weise begangen worden ist.

Nur ein paar Jahrzehnte später wird die alte Heeresstraße von den napoleonischen Kriegen drangsaliert. Durch den Frieden von Preßburg (1805) hatte Napoleon Österreich gedemütigt, nun sollte Preußen an die Reihe kommen. Mit einem 170 000 Mann starken Heere brach er im Oktober 1806 von Süddeutschland auf. Den rechten Flügel seiner Armee ließ er von Bayreuth über Hof nach Thüringen vorrücken, das Zentrum führte er über Kronach nach Lobenstein und Schleiz, während er dem linken Flügel die alte Heerstraße Coburg-Saalfeld zuwies. Über ihren Durchmarsch berichtet der Wachhabende auf dem Sattelpass: „ In den verflossenen 8 Tagen ist nichts neues vorgefallen. 25 000 Franzosen sind bloß durch den Pass gezogen und haben übrigens Mönchröden in Brand gesteckt.

In Judenbach zündeten die Franzosen mehrere Häuser an, in Hoheneiche wurde das Pfarreiarchiv verwüstet. Am 10.Oktober lieferten sich Preußen und Franzosen die Schlacht bei Saalfeld. Auf Saalfeld aber folgten am 14. Oktober die für Preußen gleichfalls unglücklichen Schlachten von Jena und Auerstädt. Bis in das Jahr 1815 ziehen immer wieder Truppen über die Heerstraße. Einquartierungen sind an der Tagesordnung. Nach dem 2. Pariser Frieden ziehen 80.000 Mann Russen auf der Sattelpassstraße nach Hause.



Zusammengestellt von Uta Baumfelder, Touristinformation der Gemeinde Oberland am Rennsteig

Quellennachweis: Saalfelder Kreisblatt, Jahrgang 1904; Ausgaben Nummer 16, 17,19

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