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  15.12.2017 Ferienhaus Ostsee

 

Das Saigerhüttenverfahren, das Johannes FUNCKEN in Nürnberg zugeschrieben wird und im Zeitraum von 1430 bis 1451 zur Produktionsreife entwickelt wurde, gehört neben der Erzeugung von flüssigem, d.h. gießbarem, Eisen zu denjenigen metallurgischen Verfahren, die den Beginn der Neuzeit kennzeichnen und die eine lang andauernde technologische Stagnationsphase beenden. Während der seit 1350 erkennbaren spätmittelalterlichen Stagnation, deren Kennzeichen Wüstungsbildung, Bevölkerungsrückgang und Preisverfall waren, konnte man nur hochhaltige Silbererze zur Silberproduktion benutzen. Dies führte zum Rückgang des Bergbaus, weil die in Oberflächennähe liegenden Erze rasch abgebaut waren. 

Mit dem Kupfersaigerverfahren wurde eine Technologie entwickelt, die es erlaubte, das in Kupfererzen enthaltene Silber zu gewinnen. Die Saalfelder Bergordnung von 1544 legte fest, dass alle Kupfererze mit mindestens vierlötigem Silbergehalt (= 0,12 % Silber) zur Silbergewinnung herangezogen werden müssen. Das neue Verfahren wirkte sich ökonomisch günstig aus. Durch Nutzung des Silbers in den Kupfererzen, d.h. durch Nutzung einer zweiten Werkstoffkomponente, konnte nicht nur die Basis für die Produktion des Münzmetalls Silber erheblich ausgeweitet werden, sondern es konnten jetzt auch solche Kupfererze, die wegen zu geringer Gehalte oder zu hoher Kosten bei ihrer bergmännischen Gewinnung nicht vorteilhaft zu nutzen waren, wenn sie allein der Kupfergewinnung dienten, einer Verwertung zugeführt werden. Das Saigerhüttenverfahren stimulierte außerdem den Bergbau zur Gewinnung des Erzes aus größeren Tiefen. 

Die Umsetzung der neuen Technologie verlangte nach neuen Formen der Finanzierung. Die Errichtung einer Saigerhütte war von einer Einzelperson noch möglich, nicht aber deren Betrieb. Der Einkauf von Schwarzkupfer, die langen Transportwege, der Verkauf und die Weiterverarbeitung zu Halbzeugen überstieg die Baukosten der Hütten um ein Vielfaches. Es bildeten sich Kapitalgesellschaften, wobei die Nürnberger Patrizier sich hervor taten, war doch  Nürnberg eines der bedeutendsten europäischen Zentren der Verarbeitung von Gold, Silber, Zinn, Kupfer und Messing. Eine Versorgung mit Rohstoffen aus eigenen Hütten war dabei von Vorteil. Mit dem Schwarzkupfer aus dem Mansfelder Kupferschieferrevier stand ein Ausgangsprodukt zur Verfügung, das nicht nur einen hohen Silbergehalt aufwies, sondern sich auch gut in Nürnberg zu Messing gießen lies. 

Warum entstanden nun ausgerechnet in Thüringen zahlreiche Saigerhütten? Im Mansfeldischen verbrauchte der Schmelzprozess des Kupfergesteins Unmengen an Holzkohle, so dass die Saigerung des Schwarzkupfers nur eingeschränkt möglich war. Also musste die zweite metallurgische Verarbeitungsstufe außerhalb des Bergbaureviers angesiedelt werden. Die wald- und wasserreichen Gebiete im damals noch weitgehend wirtschaftlich nicht erschlossenen Thüringen boten sich dazu an. Dabei spielte die Nähe der großen Handelsstraßen eine wesentliche Rolle. Unsere Heer- und Handelsstraße von Nürnberg nach Leipzig spielte dabei eine wichtige Rolle, zweigte doch bei Rudolstadt die „Kupferstraße“ ins Mansfeldische ab. So entstanden die Saigerhütten in Gräfenthal, Hüttensteinach, Hasenthal, Hockeroda, Ludwigstadt, und Saalfeld. Andere Straßen die den Thüringer Wald bei Kahlert bzw. Oberhof überquerten waren Grundlage für die Gründung von Saigerhütten in Arnstadt, Ilmenau, Eisfeld, Hohenkirchen, Schleusingen, und Schwarza. In Gräfenthal und Hüttensteinach  wurden die Anlagen bereits eingegangener Eisenhämmer wieder genutzt. Die Konzession zum Bau einer Hütte wurde üblicherweise von der jeweils zuständigen Herrschaft vergeben. Da der Hüttenbetrieb Einkünfte versprach wurde mit der Konzessionsvergabe auch großzügig umgegangen. Weil die Zeit der Saigerhütten in die Zeit der Kleinstaaterei fiel, kam es zu auf relativ kleinem Raum zu einer Anhäufung von Saigerhütten mit Konkurrenzerscheinungen einerseits und Fusionsbestrebungen andererseits.

Die Gründung der Saigerhütten in Thüringen

Ort

Konzessionstermin

Konzessionierende Herrschaft

Schleusingen

20.11.1461

Graf Wilhelm III. von Henneberg-Schleusingen

Gräfenthal

03.05.1462

Reichserbmarschall von Pappenheim zu Gräfenthal

Hohenkirchen

24.08.1462

Abt des Klosters Georgenthal

Hüttensteinach

13.04.1464

Herzog Wilhelm von Sachsen zu Weimar

Arnstadt

          1463

Graf Heinrich von Schwarzburg

Schwarza

04.07.1472

Graf Friedrich von Henneberg-Aschach

Eisfeld

29.07.1479

Herzog Wilhelm von Sachsen zu Weimar

Unterneubrunn

(Messinghütte „Ernsthal“)

          1485

Ernst II., Kurfürst von Sachsen

Ludwigstadt

22.12.1486

Friedrich, Markgraf von Brandenburg und Burggraf zu Nürnberg

Hasenthal

vor     1488

Reichserbmarschall Sebatian von Pappenheim zu Gräfenthal

Hockeroda

           1524

Graf von Henneberg

Saalfeld

           1548

Herzöge von Sachsen zu Weimar

Katzhütte

           1565

Grafen von Schwarzburg

Über alle Saigerhütten zu berichten, würde den Rahmen dieser Ausführung sprengen, wir wollen uns auf diejenigen aus unserer Umgebung beschränken.

Die Saigerhütte Gräfenthal

Als der Nürnberger Bürger Heinrich Buchner die Gräfenthaler Saigerhütte 1462 gründet wird der Grundstein für ein Jahrhundert intensiver Eisenmetallurgie und Handel gelegt. Bereits der Sohn Moritz Buchner kauft Gruben im Mansfelder Revier zur Absicherung des Rohkupferbedarfs. Mit der Einheirat nach Leipzig wird der Grundstock für den über Jahrzehnte dauernden Metallhandel einer Leipziger Kaufmannsfamilie gelegt. Dessen Söhne Moritz und Wolf Buchner gehörten zu den tonangebenden Persönlichkeiten der Reformationszeit. Die Hütte wurde zeitweilig als Gesellschaft mit dem Nürnberger Siegmund Fürer betrieben. Peter Buchner, Bürgermeister der Stadt Leipzig, betreibt die Saigerhütte in Gräfenthal bis 1560. 

Aus Rentabilitätsgründen wird sie aufgegeben. Später wird der Saigerbetrieb wieder aufgenommen, diesmal von einer Nürnberger Saigergesellschaft, die das Unternehmen bis 1619 führt. Als im Jahre 1619 eine Ilmenauer Saigergesellschaft für den Zentner Mansfelder Schwarzkupfer 31 Gulden bietet, die Gräfenthaler aber nur 27 Gulden zahlen können, schlägt das Leipziger Patriziat, das bereits in Ilmenau beteiligt war, wieder zu. Mit einem finanziellen Aufwand von 152.823 Gulden bekommt der Leipziger Stadtrat die Saigerhütte von Gräfenthal und Ludwigstadt in seine Verfügungsgewalt. Damit stehen 80% des Mansfelder Schwarzkupfers zum Versaigern bereit. Der 30-jährige Krieg brachte jedoch den Kupferbergbau zum Erliegen, so daß bereits 1635 die Produktion zum Erliegen kam. Ein Wiederaufleben war auch nach 1650 nicht möglich, die Hütte kam 1713 in den Besitz des Gräfenthaler Apothekers Benedikt Wolf. Das Leipziger Patriziat hatte seinen Einfluss auf das Saigerverfahren und die Silbergewinnung verloren. 

Im Jahre 1727 wird die ehemalige Saigerhütte als Stahlhammer betrieben und 1817 an dessen Stelle die Porzellanfabrik Greiner & Künzel, die bis 1955 produzierte, errichtet.  

Die Saigerhütte Ludwigstadt

Der Erstbesitzer der Ludwigstädter Saigerhütte war Lorenz Jechler aus Bamberg, ab 1496 Bürger von Leipzig. Eine Gesellschaft mit dem ebenfalls eingebürgerten Veit Wiedemann und Bruno Engel aus Nürnberg wird gegründet. Da Ludwigstadt zu Beginn des 16. Jahrhunderts dem Grafen von Mansfeld-Vorderort zugehörte, waren die Mansfelder Grafen an dieser Hütte direkt beteiligt. Der Sohn Wiedemanns, Wolf Wiedemann, Bürgermeister der Stadt Leipzig, verstand es dem Monopolbestreben der Mansfelder Grafen entgegen zu treten und die Interessen der Leipziger Patrizier zu wahren. Im Jahre 1535 wird eine neue Saigergesellschaft gegründet unter Leitung des Leipziger Bürgers Heinrich Scherl, an der sich dann auch Hieroymus Lotter, Bürgermeister zu Leipzig und Erbauer des Leipziger Alten Rathauses und der Augustusburg, beteiligte. Hier wollten sich auch die Mansfelder Grafen mit einbringen, allein es mußte ein Teil des Grundkapitals von Scherl vorgestreckt werden, so daß nach dem Tod weiterer Gesellschafter es zu Streitigkeiten kommt und ein neuer Vertrag mit Leipziger Dominanz ausgehandelt wird. Nun floriert das Geschäft und erreicht im Jahre 1545 seinen Höhepunkt. Die Ludwigstädter Saigerhütte wird in den Verschuldungsstrudel des Mansfelder Saigerhandels hineingezogen. Dazu kommen die Geschehnisse des Schmalkaldischen Krieges. Der protestantische Graf Albrecht von Mansfeld-Hinterort hatte den Besitz seiner noch katholischen vorderortischen Verwandtschaft konfisziert und die Ludwigstädter Hütte, wo vorderortisches Kupfer versaigert wurde, attackieren und ausrauben lassen. Daraufhin mußte Heinrich Scherl den Ludwigstädter Saigerhandel 1548 aufkündigen. 1559 erwirbt der Mansfelder Graf Hans-Georg von Mansfeld-Vorderort die Ludwigstädter Saigerhütte und verpachtet sie an Karl und Siegmund Fürer aus Nürnberg. Mit dem Bankrott der Mansfelder Grafen verlor die Hütte nach 1580 an Bedeutung. Nachdem im Jahre 1617 und 1619 der Verlag des Mansfelder Kupfers vom Leipziger Rat übernommen wurden war, besann man sich auf die Ludwigstädter Hütte und kaufte dies an. Bis zum 30-jährigen Krieg ging das Geschäft gut. Als nach der Besetzung der Grafschaft Mansfeld durch kaiserliche Truppen unter Befehl Wallensteins die Rohkupfererzeugung im Mansfelder Revier sich stark verringerte, musste die Versaigerung des Schwarzkupfers 1631 in Ludwigstadt eingestellt werden. Damit war das Ende der Ludwigstädter Saigerhütte besiegelt. 

Die Saigerhütte Hüttensteinach

Als im Jahre 1464 den Nürnberger Bürgern Bräutigam, Steinmetz und Hildebrandt der Bau einer Saigerhütte von Herzog Wilhelm von Sachsen gestattet wurde, gab es den Ort Steinach noch nicht. Vielmehr trug der ganze Talgrund entlang des gleichnamigen Flusses nördlich von Sonneberg diesen Namen. Deshalb wird  in der Literatur stets von der Steinacher Saigerhandelsgesellschaft gesprochen. Der Leipziger Patrizier Ulrich Rauscher tritt 1541 in einer neuen Gesellschaft auf. Später wird sein Schwiegersohn Nikolaus Bromm aus Frankfurt am Main Hauptgesellschafter, so daß die Hütte bis zu ihrer Liquidation im Jahre 1556 von Frankfurter Interessen gesteuert wurde. Am Bankrott Schuld war die Verschuldung der Mansfelder Grafen. Die Versaigerung von Schwarzkupfer wurde im Jahre 1561 endgültig eingestellt. 

Im Jahre 1596 wurde durch Hans Stauch die ehemalige Saigerhütte in einen Eisenhammer umgewandelt, im Jahre 1817 wurde die Hüttensteinacher Porzellanfabrik auf dessen Gelände gegründet. Der Betrieb dieser Fabrik wurde im Jahre 1955 eingestellt. 

Die Saigerhütte Hasenthal

Die Hasenthaler Saigerhütte war die höchstgelegene thüringische Hütte und zugleich auch die kleinste. Ihr Gründungsdatum ist nicht genau bekannt. Hans und Peter Brackloher aus Nürnberg sollen diese Hütte gegründet haben. Im Jahre 1488 wird die Saigerhütte auf den Leipziger Bürger Hans von Leimbach übertragen, einem Patrizier und Bürgermeister der Stadt. Versaigert wurde in Hasenthal vor allem Schwarzkupfer aus Schlema, Ilmenau und Saalfeld und nur in geringem Maße Kupfer aus dem Mansfeld. Das erzgebirgische Kupfer konnte  in Hasenthal versaigert werden, weil Hans von Leimbach seit 1487 das Amt eines kurfürstlichen Zehntners in Schneeberg ausübte. Hans von Leimbach widmete sich jedoch bald schon anderen Handelstätigkeiten zu und schenkte der Hasenthaler Saigerhütte keine große Aufmerksamkeit. Nach dem Tode Leimbachs blieben die erzgebirgischen Lieferungen aus, das Ilmenauer  Bergwerk geriet in Schulden. Bereits im Jahre 1514 ist die Hasenthaler Saigerhütte wieder stillgelegt. Sie war unrentabel geworden. Dazu beigetragen haben sicherlich auch die klimatischen Bedingungen in Hasenthal. Von Oktober bis April herrschte damals der Winter. Die Transporte waren äußerst schwierig, es fehlte das notwendige Wasser. In einer Inventaraufnahme wird beschrieben, dass man in Hasenthal 48 Saigerpfännlein und Saigerscherte vorfand. Offenbar hat man in Hasenthal noch nicht auf großen Saigerherden, sondern auf kleineren Saigerscherten gesaigert. Die Rendite der Hütte lag im Jahre 1502  bei 18,8 % und im Jahre 1506 bei 0%. Der Sohn Hans Leimbachs, Wolf Leimbach, wurde vom Landesherren, Sebastian von Pappenheim, mit größeren Liegenschaften in Hasenthal belehnt. Ihm gehörten umfangreiche Wälder, eine Schmiede und zwei Sägemühlen. 

Im Jahre 1972 fanden Einwohner von Hasenthal bei Schachtarbeiten eine 5 kg schwere schüsselähnliche Kupfermassel. Zehn Jahre später wurde ein 50 kg schweres Kupferstück auf dem Grundstück der alten Mahlmühle, ebenfalls bei Ausschachtungsarbeiten, gefunden. 

Nach umfangreichen Recherchen von Hasenthaler Heimatfreunden befand sich die Hasenthaler Saigerhütte dort, wo im Pfinzingsatlas von 1595 die beiden Flößteiche eingezeichnet sind, im heute so genannten „Winkel“.  

Wie ging es mit den Thüringer Saigerhütten weiter?

Im Verlaufe des 16. Jahrhunderts kam es zur noch zur Gründung der Hütten in Saalfeld, Ilmenau und Katzhütte. In Ilmenau musste durch den Bankrott des Mansfelder Saigerhandels insbesondere Thüringisches Kupfer verarbeitet werden. Nach dem 30-jährigen Krieg konnte die Ilmenauer Hütte unter Regie der Sachsen - Weimarer Herzöge bis in das 18.Jahrhundert weitergeführt werden.

Auch in Saalfeld wird die Saigerhütte nach dem Direktionsprinzip geführt. Nach dem Schmalkaldischen Krieg muß auf eigene Kupfervorkommen im ernestinischen Teilstaat zurück gegriffen werden. Die Lagerstätten um Saalfeld-Kamsdorf  dienen als Rohstofflieferant für die Schmelzhütte und beliefern schließlich die Saigerhütte mit Schwarzkupfer. Nach dem 30-jährigen Krieg wieder aufgebaut, arbeitet die Saalfelder Hütte bis in das 19. Jahrhundert.

Von der Katzhütter Saigerhütte ist bekannt, dass sie bis zum Jahre 1571 arbeitete.  

Zusammenfassung

Abschließend ist zu betonen, dass mit der Entwicklung der Saigerhütten in Thüringen, sich kapitalistische Produktionsverhältnisse herausbilden konnten. Die Tatsache, daß Thüringen etwa ein Jahrhundert lang führend in der Kupfer- und Silbermetallurgie war, wirkte sich auch förderlich auf die gesamte  wirtschaftliche Entwicklung aus. Obwohl die Gewinne aus dem Saigerhandel vorwiegend dem Patriziat in Leipzig, Nürnberg und Frankfurt/Main zuflossen, blühten viele Städte in der ostthüringisch- westsächsischen Region auf. In Zwickau, Arnstadt, Chemnitz, Eisfeld und Saalfeld entstanden heute noch erhalten gebliebene Renaissancebauten. Die in diese Periode fallende Reformationszeit erhielt durch diesen wirtschaftlichen Aufschwung eine materielle und ideelle Basis.  

Das Verfahren

Heute haben wir eine ziemlich genaue Vorstellung, wie der technische Ablauf des Saigerns damals vonstatten ging. Dazu hat Georgius Agricola, bedeutender Arzt, Mineraloge und Metallurge seiner Zeit eingehende Schilderungen gemacht. Ausgangsprodukt war das Schwarzkupfer, das meist am Ort des Bergbaues aus dem Kupferschiefergestein ausgeschmolzen  wurde. Das Schwarzkupfer musste fein zerkleinert werden. Dazu diente die Pochwäsche oder das Trockenpochwerk. Nun begann der erste der fünf thermischen Einzelprozesse. Beim so genannten „Frischen“ wurde das Schwarzkupfer mit Blei in einem zwei Meter hohen Schachtofen zu einer Kupfer-Blei-Silber-Legierung zusammengeschmolzen. Die erkalteten Gießkuchen , etwa 15 cm dick und mit einem Durchmesser von 50 cm kamen nun hochkantig auf den Saigerherd. Die Herdplatten waren pultförmig, nach innen geneigt, angebracht, dazwischen befand sich eine Abflussrinne. Der Zwischenraum wurde mit Holzkohle aufgefüllt. Bei 800 °C schmolz das Blei zusammen mit dem Silber aus der Legierung aus. Das höher schmelzende Kupfer blieb als poröses Material, als „Kienstöcke“, zurück. Das senkrecht ( in Saigerrichtung) abtropfende Blei mit dem Silber wurde in einer Rinne gesammelt und zu Gießkuchen verarbeitet. Beim anschließenden „Treiben“ musste das Silber vom Blei getrennt werden. Auf dem Treibeherd wurde eine erneute Schmelze vollzogen, wobei das Blei unter oxidierenden Bedingungen solange geschmolzen wurde, bis sich das leichtere Silber auf der schwereren Bleischmelze angesammelt hatte. Sobald die Bleioxidhaut aufriss, wurde das flüssige Silber vorsichtig abgegossen. Die Kupferstücke mussten zwei weitere Prozesse durchlaufen. Beim „Darren“ wurde noch einmal Blei zugesetzt, um letzte Verunreinigungen zu verdampfen. Beim „Garen“ wurde das Kupfer endlich geschmolzen und umgerührt, bis es eine messingfarbene Oberfläche aufwies. In diesem Raffinationsprozess wurden Zink, Zinn und Kobalt entfernt und das Kupfer fein und weich, also schmiedbar. Dieses Garkupfer diente als Rohstoff für die Messing- und Bronzeproduktion oder zur Herstellung der verschiedensten Gebrauchsartikel, wie Pfannen, Kessel, Dachbleche.

Das zurückgebliebene Blei wurde wieder zum Frischen benutzt. Jedoch verdampfte ein großer Teil. Um aus einer Tonne Schwarzkupfer 988 kg Garkupfer und ca. 5 kg Silber zu produzieren, musste man einen Verlust von 373 kg Blei in Kauf nehmen. Bleivergiftungen waren somit alltäglich.

Mit dem Ende des 18.Jahrhunderts setzte sich das so genannte Amalgamierverfahren zur Silbergewinnung durch. Damit war das Saigerverfahren technisch veraltet. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts schließen alle Kupfersaigerhütten.

Zusammengestellt von Uta Baumfelder, Touristinformation der Gemeinde Oberland am Rennsteig 

Quellennachweis:                               

Beiträge zur Geschichte der Metallurgie mit einer Auswahl von Referaten zum wissenschaftlichen Kolloquium „50 Jahre Saigerhütte Grünthal“  von Dr. Peter Lange. Museen der Stadt Olbernhau, 1988. 

Rudolf Dinter, Wolfgang Wiegand: Beiträge zur Geschichte der Gemeinde Hasenthal. Rat der Gemeinde Hasenthal, 1988.

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